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Thema: Zimmerit selbstgemacht, Ein kleiner Guide< Älteres Thema | Neueres Thema >
joH Offline
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Gruppe: Alte Eisen
Beiträge: 6505
Seit: 10 2003
    Geschrieben: Di, der 23. 12. 2014,13:26 QUOTE

Da ich immer wieder gefragt werde, wie ich das Zimmerit an meinem Elefant hergestellt habe und die entsprechende Anleitung im Thread zugegebenermaßen ein wenig untergeht, habe ich mich entschlossenen, einen etwas ausführlicheren Leitfaden zu erstellen und als separaten Beitrag einzustellen.



Einleitung


Zwischen Dezember 1943 und September 1944 erhielten deutsche Vollkettenfahrzeuge vor der Lackierung werkseitig einen betonähnlichen Bewurf, der das Anbringen von magnetischen Haftminen verhindern sollte. Je nach Hersteller und Fahrzeug gab es unterschiedliche Strukturmuster, die in die Masse eingeprägt wurden, bevor Lötlampen zum Einsatz kamen, um die Aushärtung vorzunehmen: Furchen, Quadrate, Quadrate mit Vertiefungen, "Waffeln". Im Feld befindliche Fahrzeuge wurden noch bis Oktober 1944 von den I-Staffeln mit diesem Gebinde versehen, sofern das Material vorhanden war.
Das nach der Firma Chemische Werke Zimmer AG benannte "Zimmerit" setzte sich aus den Bestandteilen Bariumsulfat (40%), Polyvinylacetat (25%), Ockerpigment (15%), Sägemehl (10%) und Zinksulfid (10%) (Quelle: Wikipedia) zusammen. Obwohl Beschusstests das Gerücht falsifizierten, durch Treffer könne sich das Zimmerit entzünden, wurde die Paste ab Herbst 1944 nicht mehr verwendet. Durch die Einsparung konnte auch die Dauer der Panzerproduktion verkürzt werden, hatte das Aufringen und Trocknen des Zimmerits zuvor den Fertigungsprozess um Tage verlängert.
Lange gab es für Modellbauer nur zwei Möglichkeiten, Zimmerit am Modell darzustellen: selbermachen oder fertiges Zimmerit aus Resin (ATAK, Cavalier) bzw. Fotoätzteilen (Eduard) kaufen. Doch seit wenigen Jahren versieht der Hersteller Dragon viele seiner 1/35 Modelle mit Zimmerit und bringt auch ältere Kits Neuauflagen auf den Markt, nachdem das bereits aufgespritzte Zimmerit lange Zeit allein den 1/72 Modellen vorbehalten war. Inzwischen hat Dragon die Herstellung perfektioniert und das Zimmerit "aus der Schachtel" wirkt verblüffend echt, weil es nur noch dünn aufträgt. Durch das nachträglich aufgetragene Zimmerit verursachte Passprobleme konnten ebenfalls weitgehend beseitigt werden. Jedoch gibt es in jedem Bastelkeller noch genug Bausätze aus der ersten Charge, die noch nicht mit Zimmerit ausgestattet sind, aber dieses eben verlangen.
Nachfolgend möchte ich also zeigen, wie man das einfachste und vermutlich am weitesten verbreitete Muster, nämlich das Furchenmuster, am Modell darstellen kann. Diese Struktur findet man u.a. am Pz. IV, V, VI (Ausf. E & B) sowie dem Panzerjäger Tiger (P) ("Elefant") vor, der hier auch zur Demonstration der Vorgehensweise dient.



Werkstattbericht


Während manche Selbermacher das Zimmerit mit einem heißen Gegenstand herstellen, z.B. einem Lötkolben mit entsprechender Lötspitze, präferiere ich die Putty-Methode. Hier gibt es eine große Optionsvielfalt - einige schwören auf milliput Zweikomponentenspachtelmasse, andere auf Green Stuff, wieder andere sogar auf Einkomponentenspachtelmasse, usw. Ich nehme dies zum Anlass, um darauf hinzuweisen, dass ich hier lediglich die für mich am besten funktionierende Variante zum Auftragen des Zimmerits beschreibe und keinesfalls Allgemeingültigkeit beanspruche.



Mein Mittel der Wahl ist also die Zweikomponentenspachtelmasse Epoxy Putty (Smooth Surface) des japanischen Herstellers Tamiya. Es gibt noch eine zweite, schnell(er) trocknende Variante (gelb-grüne Verpackung); für meine Zwecke ist die lange Trocknungszeit sehr vorteilhaft.
Wie man sehen kann, habe ich die zwei Komponenten aus der Originalverpackung entnommen und in zwei kleine gereinigte Hautcreme-Gläser von der DM-Drogerie umgefüllt. Zusätzlich lege ich noch ein Stück Frischhaltefolie zwischen Deckel und Glas, damit die jeweilige Masse von Umwelteinflüssen weitgehend geschützt ist. Ich bewahre die beiden Komponenten nun seit Jahren so auf und noch immer sind sie frisch wie am ersten Tag.
Bevor ich diese Modelliermasse für mich entdeckt habe, versuchte ich mein Glück mit milliput superfine white. Damit kam ich allerdings überhaupt nicht zurecht, da die Masse wesentlich weniger gut an den Oberflächen gehaftet und sich bei Bearbeitung immer wieder abgezogen hat. Die Lötkolben-Lösung ist mir sprichwörtlich zu heiß, denn hier kann man nur schwer Ausbesserungen vornehmen, sollte etwas schief gehen.


Nun geht es aber los! Zuerst muss man die zwei Komponenten zusammenbringen. Dafür sollte man jeweils gleich große Stücke miteinander vermengen. Ich gehe dabei nach Augenmaß vor. Solange es halbwegs passt, härtet die Masse problemlos aus. Übrigens sollte man sich nicht von der Größe der Kügelchen täuschen lassen, für den hier vorgestellten Zweck reicht schon ein klein wenig der Masse, sie ist nämlich äußerst ergiebig. Aber dazu später mehr.


Nachdem ich die beiden Kugeln zusammengeknetet habe, forme ich daraus eine Wurst, die ich zunächst in sich selbst verzwirbele. Danach schlage ich die beiden Enden übereinander und drehe es erneut ineinander. Diesen Arbeitsschritt wiederhole ich in der Regel drei bis vier Mal. Normalerweise ist schon nach dem ersten Durchgang eine einheitliche Farbe zu erkennen, das Signal also, dass die Durchmischung ausreichend ist. Aber man sollte hier Vorsicht walten lassen, denn eine gute Durchmischung ist das A & O!
Als Unterlage für das Kneten der Modelliermasse verwende ich übrigens ein altes Brotschneidebrett aus Hartholz. Da bleibt - auch ohne Babypuder - nichts von dem Zweikomponentenkitt kleben.


Und schon geht es ans Modell: Zunächst drücke ich ein Stück der durchgekneteten Spachtelmasse grob mit dem Finger an die entsprechende Stelle, dann verteile ich die die Masse mit einem Gegenstand möglichst dünn und gleichmäßig. Wie man hier sehen kann, verwende ich einen Schraubenzieher. Selbstverständlich gehen auch andere (harte) Gegenstände. Hauptsache ist, man kann das gewählte Werkzeug gut kontrollieren.
Auf diesem Bild kommt es nicht besonders gut heraus, weil ich es mitten im Prozess des Verstreichens aufgenommen habe, aber ein guter Indikator für die richtige Stärke des Auftrags ist, wenn das bedeckte Plastik leicht durchscheint. Es gibt nichts Unschöneres als zu dick aufgetragene Spachtelmasse, denn dann wird das Zimmeritmuster unter Garantie ebenfalls leiden. Wegen dieser beiden Punkte schrieb ich oben auch, dass man nur eine geringe Menge an Material braucht. (Die beiden oben gezeigten Kügelchen haben für die halbe Unterwanne gereicht.)
Weiterhin ist von großer Wichtigkeit, immer in fest definierten Stücken zu arbeiten und sich nicht der Illusion hinzugeben, alles auf einmal abdecken zu können. Wenn man das zu bearbeitende Stück mit einer gleichmäßig dünnen Schicht Modelliermasse versehen hat, sollte man dieser ein wenig Zeit zum Antrocknen/Anziehen lassen. Es arbeitet sich wesentlich einfacher, wenn die Spachtelmasse schon etwas angehärtet ist. Leider kann ich keien genaue Zeitangabe machen, denn die Dauer des Anziehen hängt von der Menge der beiden Komponenten und der Dicke der aufgetragenen Schicht ab; das ist also reine Gefühlssache. Dennoch würde ich behaupten, dass 20 Minuten Wartezeit vor der weiteren Bearbeitung in jedem Fall angebracht sind. Keine Angst, das Tamiya Epoxy Putty trocknet euch nicht unter Fingern steinhart aus, sondern braucht mindestens acht Stunden, bevor es richtig fest wird.
Außerdem soll an dieser Stelle auch noch Erwähnung finden, dass die Oberflächen, die das Zimmerit erhalten sollen, vor dem Auftrag der Spachtelmasse unbedingt angeraut werden müssen. Dabei kann man ruhig grob vorgehen (wie auf dem Bild teilweise erkennbar ist), denn die Spachtelmasse soll guten Halt finden. Wenn man auf das Anrauen verzichtet, wird man beim Verteilen der Spachtelmasse auf der Oberfläche keinen Spaß haben. Das nackte Plastik ist zu glatt, um das Putty bei der mechanischen Belastung des Verteilens zu halten.


Das Muster drücke nach der Wartezeit von oben kommend mit demselben Schraubenzieher ein, mit dem ich auch die Masse verteilt habe. Wichtig ist, das Schraubenzieherblatt regelmäßig von daran anhaftenden Putty-Resten zu befreien. Sonst läuft man Gefahr, Stücke der aufgetragenen Spachtelmasse abzuziehen, trotz angerauter Oberflächen. Deswegen liegt neben dem Werkstück immer ein Kantholz aus Hartholz, an dem ich das Schraubenzieherblatt in regelmäßigen Abständen abstreiche. Apropos Schraubenzieherblatt: hier es hat eine Breite von drei Millimetern. Diese Breite passt m.E. ziemlich gut zu der durchschnittlichen Breite des Originalzimmerits dieses Typs, auch wenn natürlich Unterschiede zu sehen sind.


Anhand der obigen Grafik möchte ich nochmal vereinfacht zeigen, wie ich bei der Erstellung des Furchenmusters vorgehe. Und zwar setze ich den Schraubenzieher (orange) ca. in einem 45° Winkel an und drücke ihn in die weiche Masse. Dadurch entsteht hinter dem Schraubenzieherblatt eine Wulst. An ihrer Oberkante erfolgt dann jeweils das nächste Ansetzen des Schraubenziehers, bis schließlich das untere Ende der vorbereiteten Fläche erreicht ist. Wichtig ist das schräge Anstellen des Schraubenziehers, damit man das in etwa "dreieckige" Muster im seitlichen Querschnitt des Zimmerits erhält. Man sollte Sorgfalt walten lassen und sich Zeit lassen - das Putty lässt einem diese schließlich auch! Das Muster sollte am Ende sehr fein sein und keine dicken Wülste/Grate vorweisen.


Wenn man sich an diese simple Vorgehensweise hält, bekommt man ganz automatisch einen maßstabsgerecht-realistischen Zimmeritauftrag am Modell. Man sollte nach der Fertigstellung des ersten Stempeldurchgangs den Auftrag nochmal auf Unsauberkeiten kontrollieren und diese ggf. beseitigen. Die langsam trocknende Tamiya-Zweikomponentenspachtelmasse gibt dazu die Möglichkeit und sollte dementsprechend zur Perfektionierung genutzt werden.


Wie man hier gut erkennen kann, ist der just fertiggestellte Zimmeritbewurf an der Wanne hauchdünn. Das graue Plastik scheint gleichmäßig durch - ein sicherer Indikator für eine ausreichend dünne Schicht Modelliermasse.


Die hier angewandte Methode erlaubt auch die Kombination komplizierter Strukturen, wie das "Sternmuster" rings um die Bolzen der Zusatzpanzer an der Frontpanzerung zeigt.


Anmerkung: Dieses und das vorangegangene Foto sind während der Bauphase des hier gezeigten Modells entstanden, deswegen die etwas andere Belichtung.


Wenn schließlich alles durchgetrocknet ist, überziehe ich das Zimmerit noch mit einer hauchdünnen, hochverdünnten Lage Mr. Surfacer 1000. Damit ist sichergestellt, dass auch kleinste Unsauberkeiten beseitigt und u.U. lose Stücke wieder fest am Modell kleben. Beschädigung stelle ich erst danach dar.



Schluss


Das Auftragen eigenen Zimmerits ist keine besondere Herausforderung im modellbauerischen Sinn, sondern vielmehr eine Geduldsfrage. Die Fertigstellung des Zimmeritbewurfs an dem oben gezeigten Panzerjäger Tiger (P) "Elefant" hat - inklusive der Trocknungszeit - mehrere Tage gedauert. Das Ergebnis ist m.E. aber sehr befriedigend, schließlich erhält man auf diese Weise ein Unikat. Durch die Eigenproduktion ist man außerdem unabhängig von den Herstellern, die nicht für jedes Modell jeden Herstellers oder sofort ein entsprechendes Zimmeritset anbieten, das häufig nicht ordentlich passt und noch dazu nicht ganz billig ist. Zimmerit aus Fotoätzteilen ist sowieso keiner der Rede wert, denn herstellungsbedingt fehlt ihm schlicht die nötige Tiefe. Dragon hat jedoch in den vergangenen Jahren auf beeindruckende Weise gezeigt, dass Zimmerit im Plastikspritzgussverfahren doch auch überzeugend wirken kann. Jedoch geht so ausgestatteten Modellen die Möglichkeit der individuellen Gestaltung ab.
Trotz des immensen zeitlichen Mehraufwands bereitete mit das Selbermachen des Zimmerits größte Freude. Bestimmt werde ich noch die zwei oder drei ATAK- und Cavalier-Zimmeritbögen, die noch in meinem Fundus lagern, verwenden, aber danach werde ich das Zimmerit ausschließlich wie oben gezeigt selbermachen. Für kompliziertere Muster, z.B. das Waffelmuster, gibt es dank entsprechender Stempel ebenfalls Lösungen.

Ich hoffe der Bericht ist verständlich formuliert und weckt bei dem ein oder anderen ebenfalls die Lust, es einmal selbst mit dem Zimmerit zu versuchen.
Für Rückfragen, Anregungen und Kommentare bitte hier klicken

Weihnachtliche Grüße
Johannes


Bearbeitet von Rafael Neumann an So, der 28. 12. 2014,22:19
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0 Antworten seit Di, der 23. 12. 2014,13:26 < Älteres Thema | Neueres Thema >

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